Das Stiftungsrecht wird vereinheitlicht

Der Bun­des­tag hat Ende Juni 2021 den Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung zur Ver­ein­heit­li­chung des Stif­tungs­rechts angenommen.

Bis­her beruh­te das Stif­tungs­zi­vil­recht, das die Ent­ste­hung und die Ver­fas­sung der rechts­fä­hi­gen Stif­tung des bür­ger­li­chen Rechts bestimmt, auf Bun­des­recht und Lan­des­recht. Nach Auf­fas­sung der Bun­des­re­gie­rung hat das Neben­ein­an­der von Bun­des­recht und Lan­des­recht immer wie­der zu Streit­fra­gen und Rechts­un­si­cher­heit bei Stif­tern und Stif­tun­gen geführt.

Zum 1. Juli 2023 tritt daher nun das Gesetz zur Ver­ein­heit­li­chung des Stif­tungs­rechts in Kraft. Die­ses sieht ein bun­des­ein­heit­li­ches Stif­tungs­recht vor, das abschlie­ßend im Bür­ger­li­chen Gesetz­buch gere­gelt sein und an die Stel­le des zer­split­ter­ten Lan­des­stif­tungs­rechts tre­ten wird. Das Gesetz sieht neue Rege­lun­gen ins­be­son­de­re zum Namen, Sitz und Ver­mö­gen der Stif­tung sowie zur Ände­rung der Stif­tungs­sat­zung und zur Zule­gung und Zusam­men­le­gung von Stif­tun­gen vor. Fer­ner wer­den zahl­rei­che schon bestehen­de Vor­schrif­ten geän­dert. Zu erwar­ten ist, dass die­se Ver­ein­heit­li­chung des Stif­tungs­rechts, wie von der Bun­des­re­gie­rung beab­sich­tigt, zu mehr Rechts­si­cher­heit bei Stif­tern, Stif­tun­gen und Organ­mit­glie­dern führt.

Für Organ­mit­glie­der der Stif­tung ist rele­vant, dass das Gesetz die sog. Busi­ness Jud­ge­ment Rule/die „Regel für unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dun­gen“ auf­ge­grif­fen hat. Hier­nach bege­hen Stif­tungs­or­ga­ne kei­ne Pflicht­ver­let­zung und haf­ten dem­zu­fol­ge nicht für eine Fehl­ent­schei­dung, wenn sie unter Beach­tung der gesetz­li­chen und sat­zungs­ge­mä­ßen Vor­ga­ben ver­nünf­ti­ger­wei­se anneh­men durf­ten, auf der Grund­la­ge ange­mes­se­ner Infor­ma­tio­nen zum Woh­le der Stif­tung zu han­deln. In der Pra­xis kann die­se Rege­lung zu einer Redu­zie­rung des Haf­tungs­ri­si­kos von Organ­mit­glie­dern führen.

Eine wei­te­re Ände­rung sieht das Gesetz zur Trans­pa­renz der Stif­tun­gen und ihrer Orga­ne vor. Bis­her gibt es für Stif­tun­gen kein Regis­ter mit Publi­zi­täts­wir­kung, son­dern nur Stif­tungs­ver­zeich­nis­se, die bei den Stif­tungs­be­hör­den geführt wer­den. Um im Stif­tungs­be­reich mehr Trans­pa­renz zu schaf­fen, wird ein zen­tra­les Stif­tungs­re­gis­ter mit Publi­zi­täts­wir­kung ab dem 1. Janu­ar 2026 ein­ge­führt. Zu erwar­ten ist, dass durch das Regis­ter der Nach­weis der Ver­tre­tungs­macht der Stif­tungs­or­ga­ne ein­fa­cher zufüh­ren sein wird; behörd­li­che Ver­tre­tungs­be­schei­ni­gun­gen dürf­ten hin­fäl­lig werden.