Heinz Müller ./. 1. FSV Mainz 05 - Die Befristung von Arbeitsverträgen im Profifußball

von: Rechtsanwalt Jan-Mathias Pfleging

Die große Überraschung blieb am 16. Januar 2018 vor dem Bundesarbeitsgericht aus. Für eine solche hatte am 19. März 2015 noch das Arbeitsgericht Mainz gesorgt, als es die Befristung des Arbeitsvertrags des Torwarts Heinz Müller vom FSV Mainz 05 als nicht gerechtfertigt ansah. Das System mit Zeitverträgen - auch in vielen anderen Sportarten gang und gäbe - schien zu wanken, da es offensichtlich bis zum vorliegenden Fall noch nie wirklich hinterfragt wurde.

 

Folgendes Szenario versetzte die Vertreter der Branche in Unruhe: Fehlt die Möglichkeit einer Befristung des Arbeitsverhältnisses, so müssten - abgesehen von der Möglichkeit einer sachgrundlosen Befristung (maximal für die Dauer von 2 Jahren) - unbefristete Verträge mit den Spielern geschlossen werden. Diese könnten die unbefristeten Arbeitsverhältnisse dann unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist (somit auch während der laufenden Saison) beenden. Dem bisherigen Transfersystem mit Ablösesummen für vertraglich gebundene Spieler wäre damit die Grundlage entzogen. Zudem wären mit Spielern höheren Alters grundsätzlich Aufhebungsverträge samt Abfindungsvereinbarung als letzte Möglichkeit der Trennung auszuhandeln.

 

Das Bundesarbeitsgericht sah eine Befristung letztlich jedoch als wirksam an. Sie ist wegen der Eigenart der Arbeitsleistung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) gerechtfertigt. Im kommerzialisierten und öffentlichkeitsgeprägten Spitzenfußball werden von einem Lizenzspieler im Zusammenspiel mit der Mannschaft sportliche Höchstleistungen erwartet und geschuldet, die dieser nur für eine begrenzte Zeit erbringen kann. Dies ist eine Besonderheit, die in aller Regel ein berechtigtes Interesse an der Befristung des Arbeitsverhältnisses begründet. (vgl. BAG, Urt. v. 16. Januar 2018, Az. 7 AZR 312/16, Pressemitteilung Nr. 2/18)

 

Fazit:

 

  • Im Fall des Heinz Müller, der bei Unterzeichnung seines Zweijahresvertrags 30 Jahre alt war, ist diese Begründung noch nachvollziehbar. Bei jüngeren Spielern oder Trainern der Nachwuchsleistungszentren überzeugt sie jedoch nicht, da in diesen Fällen kaum mit "Verschleißerscheinungen" argumentiert werden kann.
  • Die Stimmen, welche im professionellen Sportbereich einen klaren arbeitsgesetzlichen Rahmen fordern, werden damit wohl auch nach diesem Urteil nicht verstummen. Endgültige Klarheit wird nicht die vorliegende Entscheidung, sondern nur der Gesetzgeber selbst schaffen können.

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